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Thun erhält Kongresshaus


Autor: Der Bund
Datum: 12.03.2007


Stimmvolk bejaht den Ausbau des Schadausaals für 19 Millionen Franken: 63 Prozent der Thuner wollten einen Ausbau für 9 Millionen, 63,6 Prozent einen Ausbau für 19 Millionen Franken; deshalb kam die Stichfrage zum Zug. 62 Prozent der Thuner kreuzten dabei das Ja für die teurere Ausbauvariante an.

Nur wenige hundert Meter vom Schadausaal entfernt zeigten sich Thuns Stadtpräsident Hans-Ueli von Allmen (sp) sowie Gemeinderätin und Bauvorsteherin Jolanda Moser (fdp) am Sonntag zufrieden über das Abstimmungsresultat zur Schadausaalerweiterung: Mit 62 Prozent Ja- zu 38 Prozent Nein-Stimmen (6675 zu 4089) wurde der 19 Millionen Franken teure Umbau des Thuner Schadausaals in ein Kongresszentrum deutlich angenommen. Allerdings war dazu ein Stichentscheid notwendig, denn die Schadausaalerweiterung war eine Variantenabstimmung. Die Stimmberechtigten konnten zwischen der Variante «Erhaltung» für 9 Millionen Franken und der Variante «Erweiterung» für 19 Millionen Franken wählen. Mit 63 Prozent (Variante Erhaltung: 5482 Ja zu 3220 Nein) respektive 63,6 Prozent Ja-Stimmen (Erweiterung; 6746 Ja zu 3855 Nein) hiessen die Thuner Stimmberechtigten beide Varianten gut. Aufgrund dieses fast gleich hohen Ja-Anteils kam die Stichfrage zum Zuge: Hier betrug die Zustimmung zur Variante Erweiterung 62 Prozent.

«Anzeichen von Unsicherheit»
Die Stimmbeteiligung lag diesmal deutlich tiefer als bei der Stadionabstimmung im vergangenen Jahr: 39,7 Prozent der Thuner Stimmbürger warfen ihre Zettel zur Schadauvorlage in die Urne. Bei der Stadionabstimmung waren es 57 Prozent gewesen. Zusammen mit den Kantons- und Bundesvorlagen lag die Stimmbeteiligung am Sonntag in Thun bei 44,7 Prozent – 5 Prozent der Stimmenden äusserten sich somit also nicht zur Schadausaalvorlage. Vizestadtschreiber Remo Berlinger räumte gestern denn auch ein, dass man vereinzelt «Anzeichen gewisser Unsicherheiten beim Ausfüllen der Variantenabstimmungszettel» festgestellt habe.
Bauvorsteherin Jolanda Moser zeigte sich vor den Medien «glücklich über den mutigen Entscheid» der Thunerinnen und Thuner. Sie, die erst seit Anfang Jahr als Gemeinderätin amtet, hatte das Geschäft nur in seiner Schlussphase begleitet. Aufgegleist hatte das ganze Projekt ihr Amtsvorgänger und Parteikollege Beat Straubhaar.
Grossprojekte hätten in der letzten Zeit «nicht wahnsinnig gute Karten gehabt in Thun», sagte Moser, die damit durch die Blume auf das vom Thuner Stimmvolk verworfene Stadionprojekt verwies sowie auf den vor einigen Jahren schon bachab geschickten Parkhausring. Dass die Thuner dem Grossprojekt Schadausaalerweiterung zugestimmt hätten, begründete Moser so: «Die Wirtschaft ist wieder im Anzug – deshalb haben wohl viele Thuner eingesehen, dass dieser Schritt gemacht werden muss.»

Appell an den Kanton
Für Stadtpräsident Hans-Ueli von Allmen eröffnet das Ja der Thuner «Chancen, sich im Wettbewerb als Tagungsort durchzusetzen». Er appellierte zudem an den Kanton Bern: «Auch der Kanton muss jetzt zum Schluss kommen, dass wir ein Kongressort sind.» Der Kanton Bern unterstützte bis jetzt bezüglich Kongresse Bern, Biel und Interlaken finanziell und zementierte somit, dass man kantonsseits auf diese drei Städte im Kongresstourismus setzt. Von Allmen machte gestern zudem deutlich, dass die Vermarktung des künftigen Kongresszentrums «nicht auf der Stadtverwaltung gemacht werden kann».
Marianne Staub, Präsidentin von Thun Tourismus und Mitglied im Ja-Komitee, zeigte sich gestern ebenfalls zufrieden über das Stimmresultat. «Dieses Ja gibt uns Aufwind für den Geschäfts- und Seminartourismus.» Die Wortwahl Staubs beschränkte sich explizit auf «Geschäfts- und Seminartourismus, denn: «Der Kanton hat die Kongressstandorte bestimmt, daran gibt es nichts zu rütteln.» Man müsse versuchen, Nischen zu besetzen, «und nicht mit Sachen konkurrenzieren, die schon bestehen». Staub will sich nun dafür einsetzen, dass Thun Tourismus die Vermarktung des künftigen Kongresszentrums übernehmen kann.
Die Verlierer waren gestern Mitglieder der Jungen SVP Amt Thun. Sie hatten mit Flyern und Standaktionen gegen eine Schadausaalerweiterung gekämpft. Initiant Lukas Lanzrein zog dennoch ein positives Fazit: «Wir haben viele positive Stimmen zu unseren Aktionen vernommen – auch von Ja-Stimmenden, die sagten, es sei gut, wenn man auch kritische Stimmen höre.
Mireille Guggenbühler


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