Stimmvolk bejaht den Ausbau des Schadausaals für 19
Millionen Franken: 63 Prozent der Thuner wollten einen Ausbau für 9
Millionen, 63,6 Prozent einen Ausbau für 19 Millionen Franken; deshalb kam die
Stichfrage zum Zug. 62 Prozent der Thuner kreuzten dabei das Ja für die teurere
Ausbauvariante an.
Nur wenige hundert Meter vom Schadausaal entfernt
zeigten sich Thuns Stadtpräsident Hans-Ueli von Allmen (sp) sowie Gemeinderätin
und Bauvorsteherin Jolanda Moser (fdp) am Sonntag zufrieden über das
Abstimmungsresultat zur Schadausaalerweiterung: Mit 62 Prozent Ja- zu 38
Prozent Nein-Stimmen (6675 zu 4089) wurde der 19 Millionen Franken teure Umbau
des Thuner Schadausaals in ein Kongresszentrum deutlich angenommen. Allerdings
war dazu ein Stichentscheid notwendig, denn die Schadausaalerweiterung war eine
Variantenabstimmung. Die Stimmberechtigten konnten zwischen der Variante
«Erhaltung» für 9 Millionen Franken und der Variante «Erweiterung» für 19
Millionen Franken wählen. Mit 63 Prozent (Variante Erhaltung: 5482 Ja zu 3220
Nein) respektive 63,6 Prozent Ja-Stimmen (Erweiterung; 6746 Ja zu 3855 Nein)
hiessen die Thuner Stimmberechtigten beide Varianten gut. Aufgrund dieses fast
gleich hohen Ja-Anteils kam die Stichfrage zum Zuge: Hier betrug die Zustimmung
zur Variante Erweiterung 62 Prozent.
«Anzeichen von
Unsicherheit» Die Stimmbeteiligung lag diesmal
deutlich tiefer als bei der Stadionabstimmung im vergangenen Jahr: 39,7 Prozent
der Thuner Stimmbürger warfen ihre Zettel zur Schadauvorlage in die Urne. Bei
der Stadionabstimmung waren es 57 Prozent gewesen. Zusammen mit den Kantons-
und Bundesvorlagen lag die Stimmbeteiligung am Sonntag in Thun bei 44,7 Prozent
– 5 Prozent der Stimmenden äusserten sich somit also nicht zur
Schadausaalvorlage. Vizestadtschreiber Remo Berlinger räumte gestern denn auch
ein, dass man vereinzelt «Anzeichen gewisser Unsicherheiten beim Ausfüllen der
Variantenabstimmungszettel» festgestellt habe.
Bauvorsteherin Jolanda Moser zeigte sich vor den Medien «glücklich über den
mutigen Entscheid» der Thunerinnen und Thuner. Sie, die erst seit Anfang Jahr
als Gemeinderätin amtet, hatte das Geschäft nur in seiner Schlussphase
begleitet. Aufgegleist hatte das ganze Projekt ihr Amtsvorgänger und
Parteikollege Beat Straubhaar.
Grossprojekte hätten in der letzten Zeit «nicht wahnsinnig gute Karten gehabt
in Thun», sagte Moser, die damit durch die Blume auf das vom Thuner Stimmvolk
verworfene Stadionprojekt verwies sowie auf den vor einigen Jahren schon bachab
geschickten Parkhausring. Dass die Thuner dem Grossprojekt
Schadausaalerweiterung zugestimmt hätten, begründete Moser so: «Die Wirtschaft
ist wieder im Anzug – deshalb haben wohl viele Thuner eingesehen, dass dieser Schritt
gemacht werden muss.»
Appell an den Kanton Für Stadtpräsident Hans-Ueli von Allmen eröffnet das Ja der
Thuner «Chancen, sich im Wettbewerb als Tagungsort durchzusetzen». Er
appellierte zudem an den Kanton Bern: «Auch der Kanton muss jetzt zum Schluss
kommen, dass wir ein Kongressort sind.» Der Kanton Bern unterstützte bis jetzt
bezüglich Kongresse Bern, Biel und Interlaken finanziell und zementierte somit,
dass man kantonsseits auf diese drei Städte im Kongresstourismus setzt. Von
Allmen machte gestern zudem deutlich, dass die Vermarktung des künftigen
Kongresszentrums «nicht auf der Stadtverwaltung gemacht werden kann».
Marianne Staub, Präsidentin von Thun Tourismus und Mitglied im Ja-Komitee,
zeigte sich gestern ebenfalls zufrieden über das Stimmresultat. «Dieses Ja gibt
uns Aufwind für den Geschäfts- und Seminartourismus.» Die Wortwahl Staubs
beschränkte sich explizit auf «Geschäfts- und Seminartourismus, denn: «Der
Kanton hat die Kongressstandorte bestimmt, daran gibt es nichts zu rütteln.»
Man müsse versuchen, Nischen zu besetzen, «und nicht mit Sachen
konkurrenzieren, die schon bestehen». Staub will sich nun dafür einsetzen, dass
Thun Tourismus die Vermarktung des künftigen Kongresszentrums übernehmen kann.
Die Verlierer waren gestern Mitglieder der Jungen SVP Amt Thun. Sie hatten mit
Flyern und Standaktionen gegen eine Schadausaalerweiterung gekämpft. Initiant
Lukas Lanzrein zog dennoch ein positives Fazit: «Wir haben viele positive
Stimmen zu unseren Aktionen vernommen – auch von Ja-Stimmenden, die sagten, es
sei gut, wenn man auch kritische Stimmen höre. Mireille Guggenbühler
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