Die
Junge SVP und die SVP Thun streiten – weil Auns-Präsident Pirmin Schwander als
Gastredner nach Thun kommt.
Grillieren
mit den Jungen ihrer Partei würden sie gerne, die Mitglieder der SVP Thun. Aber
nur, wenn JSVP-Präsident Lukas Lanzrein auf Gastredner Pirmin Schwander
verzichte. Dieser will das allerdings nicht und wirft der SVP vor, sie
boykottiere das Fest.
Sommerzeit ist Grillzeit. Auch für Politikerinnen und
Politiker. Aus diesem Grund organisiert die Junge SVP (JSVP) Thun jedes Jahr im
Sommer ein Grillfest – eingeladen sind SVP- und JSVP-Mitglieder wie auch
Nichtparteimitglieder. Um dem Anlass eine politische Note zu geben, ist auch
jedes Jahr ein Gastredner oder eine Gastrednerin eingeladen: In diesem Jahr am
7. Juli ist dies SVP-Nationalrat und Auns-Präsident Pirmin Schwander. Das ist
den Vertretern der Thuner Mutterpartei nun in den falschen Hals geraten, wie
der Leiter der JSVP Thun, Lukas Lanzrein, Eingeladene in einem Schreiben wissen
lässt. Offenbar hat der Thuner SVP-Vorstand wenig Gefallen am Auftritt
Schwanders in Thun. SVP-Vizepräsident Ueli Jost formuliert es so: «Wir haben
nichts gegen Pirmin Schwander persönlich. Aber: Die Auns ist nicht die SVP, und
die SVP ist nicht die Auns.» Kurzum: Der Vorstand der Thuner SVP fürchtet, dass
das SVP-Grillfest zu einem Auns-Anlass wird. Jost sagts sogar direkt so: «Das
Grillfest ist ein Auns-Anlass.» Und damit möchte man bei der Thuner SVP nichts
zu tun haben.
Beim 17-jährigen Organisator Lukas Lanzrein stösst
das Verhalten der Mutterpartei auf Unverständnis. «Bis jetzt haben wir jedes
Jahr einen Gastredner eingeladen, und es war immer ein anderer Nationalrat.» Da
man aber die Berner Nationalräte schon alle einmal eingeladen habe, sei man nun
halt auf den Schwyzer Nationalrat und SVP-Kantonalpräsidenten Pirmin Schwander
gekommen. «Dass er Auns-Präsident ist, steht nicht im Vordergrund.»
«Show eines 17-Jährigen»
Bei der Thuner SVP scheint man allerdings nicht nur
mit der Einladung von Pirmin Schwander ein Problem zu haben. Für die SVP Thun
existiert ihre Jungpartei eigentlich gar nicht. «Die Thuner JSVP ist inexistent
und eine One-Man-Show eines 17-jährigen Schülers», sagt Jost. Die Gruppe habe
keine Statuten und sei im Prinzip nur eine «Splitterung von Bern». Lanzrein
habe nie Gespräche mit der Mutterpartei geführt und Hilfe bei der Gründung der
JSVP Thun gesucht.
Das ist aber offenbar auch nicht nötig, wie man bei der Jungen SVP Kanton Bern
sagt. Junge SVP-Gruppen wie diejenige in Thun bräuchten gar keine eigenen
Statuten, sagt Kantonalpräsident Erich J. Hess. «Wir funktionieren nach dem
Stützpunktprinzip – alle kantonalen Stützpunkte wie beispielsweise Thun sind in
die Statuten der kantonalen JSVP mit eingeschlossen.»
Die Stützpunktvorstände müssten sich vor Ort nur auf ihre politischen Aufgaben
konzentrieren – der administrative Teil werde von der kantonalen JSVP erledigt.
Und vielleicht auch noch mehr – zum Beispiel die Organisation des Grillfests?
«Das hat Lukas Lanzrein selber organisiert», sagt Hess dazu, um dann anzufügen,
«dass wir natürlich Bescheid wissen, dass das Fest organisiert wird. Wir haben
alles zusammen besprochen. daran teilnehmen können wir auch.» Eingeladen habe
Lanzrein Auns-Präsident Schwander aber ohne Einfluss der kantonalen JSVP,
versichert Hess, der sich fragt, «was die SVP Thun mit ihrem Verhalten, auf
einen 17-Jährigen einzudreschen, erreichen will».
Für Lanzrein selber ist klar, dass er das Grillfest mit Pirmin Schwander als
Gastredner durchführen wird – trotz Boykottaufrufen der Mutterpartei. «Man
sagte mir seitens der SVP Thun, ich solle Schwander wieder ausladen, dann sei
das Problem gelöst, und auch die Vertreter der SVP kämen ans Fest. Aber ich
werde Pirmin Schwander nicht ausladen.»
Ganz so habe man dies nicht formuliert, sagt Ueli Jost dazu. «Zum Boykott des
Anlasses haben wir nicht aufgerufen.» Man habe lediglich gesagt, dass wohl
nicht viele Leute der Mutterpartei erscheinen würden. Und: «Wir werden ihm
sicher nicht aktiv Leute zuschanzen für den Anlass.» Einen «Strick drehen
daraus» wolle man dem 17-Jährigen aber deswegen «sicher nicht».
Lukas Lanzrein hat den Gastredner mittlerweile über den Zwist in seiner Partei
informiert – dieser hat – zumindest bis jetzt – zugesichert, trotzdem zu
kommen.
Mireille Guggenbühler