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SVP Thun wegen Grillfest im Zwist


Autor: Der Bund (www.ebund.ch)
Datum: 26.06.2006


Die Junge SVP und die SVP Thun streiten – weil Auns-Präsident Pirmin Schwander als Gastredner nach Thun kommt.
Grillieren mit den Jungen ihrer Partei würden sie gerne, die Mitglieder der SVP Thun. Aber nur, wenn JSVP-Präsident Lukas Lanzrein auf Gastredner Pirmin Schwander verzichte. Dieser will das allerdings nicht und wirft der SVP vor, sie boykottiere das Fest.

Sommerzeit ist Grillzeit. Auch für Politikerinnen und Politiker. Aus diesem Grund organisiert die Junge SVP (JSVP) Thun jedes Jahr im Sommer ein Grillfest – eingeladen sind SVP- und JSVP-Mitglieder wie auch Nichtparteimitglieder. Um dem Anlass eine politische Note zu geben, ist auch jedes Jahr ein Gastredner oder eine Gastrednerin eingeladen: In diesem Jahr am 7. Juli ist dies SVP-Nationalrat und Auns-Präsident Pirmin Schwander. Das ist den Vertretern der Thuner Mutterpartei nun in den falschen Hals geraten, wie der Leiter der JSVP Thun, Lukas Lanzrein, Eingeladene in einem Schreiben wissen lässt. Offenbar hat der Thuner SVP-Vorstand wenig Gefallen am Auftritt Schwanders in Thun. SVP-Vizepräsident Ueli Jost formuliert es so: «Wir haben nichts gegen Pirmin Schwander persönlich. Aber: Die Auns ist nicht die SVP, und die SVP ist nicht die Auns.» Kurzum: Der Vorstand der Thuner SVP fürchtet, dass das SVP-Grillfest zu einem Auns-Anlass wird. Jost sagts sogar direkt so: «Das Grillfest ist ein Auns-Anlass.» Und damit möchte man bei der Thuner SVP nichts zu tun haben.

Beim 17-jährigen Organisator Lukas Lanzrein stösst das Verhalten der Mutterpartei auf Unverständnis. «Bis jetzt haben wir jedes Jahr einen Gastredner eingeladen, und es war immer ein anderer Nationalrat.» Da man aber die Berner Nationalräte schon alle einmal eingeladen habe, sei man nun halt auf den Schwyzer Nationalrat und SVP-Kantonalpräsidenten Pirmin Schwander gekommen. «Dass er Auns-Präsident ist, steht nicht im Vordergrund.»

«Show eines 17-Jährigen»
Bei der Thuner SVP scheint man allerdings nicht nur mit der Einladung von Pirmin Schwander ein Problem zu haben. Für die SVP Thun existiert ihre Jungpartei eigentlich gar nicht. «Die Thuner JSVP ist inexistent und eine One-Man-Show eines 17-jährigen Schülers», sagt Jost. Die Gruppe habe keine Statuten und sei im Prinzip nur eine «Splitterung von Bern». Lanzrein habe nie Gespräche mit der Mutterpartei geführt und Hilfe bei der Gründung der JSVP Thun gesucht.
Das ist aber offenbar auch nicht nötig, wie man bei der Jungen SVP Kanton Bern sagt. Junge SVP-Gruppen wie diejenige in Thun bräuchten gar keine eigenen Statuten, sagt Kantonalpräsident Erich J. Hess. «Wir funktionieren nach dem Stützpunktprinzip – alle kantonalen Stützpunkte wie beispielsweise Thun sind in die Statuten der kantonalen JSVP mit eingeschlossen.»
Die Stützpunktvorstände müssten sich vor Ort nur auf ihre politischen Aufgaben konzentrieren – der administrative Teil werde von der kantonalen JSVP erledigt. Und vielleicht auch noch mehr – zum Beispiel die Organisation des Grillfests? «Das hat Lukas Lanzrein selber organisiert», sagt Hess dazu, um dann anzufügen, «dass wir natürlich Bescheid wissen, dass das Fest organisiert wird. Wir haben alles zusammen besprochen. daran teilnehmen können wir auch.» Eingeladen habe Lanzrein Auns-Präsident Schwander aber ohne Einfluss der kantonalen JSVP, versichert Hess, der sich fragt, «was die SVP Thun mit ihrem Verhalten, auf einen 17-Jährigen einzudreschen, erreichen will».
Für Lanzrein selber ist klar, dass er das Grillfest mit Pirmin Schwander als Gastredner durchführen wird – trotz Boykottaufrufen der Mutterpartei. «Man sagte mir seitens der SVP Thun, ich solle Schwander wieder ausladen, dann sei das Problem gelöst, und auch die Vertreter der SVP kämen ans Fest. Aber ich werde Pirmin Schwander nicht ausladen.»
Ganz so habe man dies nicht formuliert, sagt Ueli Jost dazu. «Zum Boykott des Anlasses haben wir nicht aufgerufen.» Man habe lediglich gesagt, dass wohl nicht viele Leute der Mutterpartei erscheinen würden. Und: «Wir werden ihm sicher nicht aktiv Leute zuschanzen für den Anlass.» Einen «Strick drehen daraus» wolle man dem 17-Jährigen aber deswegen «sicher nicht».
Lukas Lanzrein hat den Gastredner mittlerweile über den Zwist in seiner Partei informiert – dieser hat – zumindest bis jetzt – zugesichert, trotzdem zu kommen.

Mireille Guggenbühler


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